Youtube-Videos in HD-Qualität auf dem Fernseher ansehen

von Albert Warnecke in So geht´s, veröffentlicht am 29.10.2013

Klingt simpel: Ich möchte Youtube-Videos in Full-HD (1080p) ruckelfrei auf meinem Fernseher anschauen. Aber wir machen keine halben Sachen - für den Ton soll nicht der Fernseher verantwortlich sein, sondern der AV-Receiver und die 5.1-Anlage.

Mit der Suchsequenz "Trailer HD 1080p deutsch" habe ich mir auf Youtube eine Liste deutschsprachiger HD-Trailer zusammengestellt, die ich mir dann gerne auf dem Fernseher ansehen wollte. Aber wie?

Heutzutage führen entschieden zu viele Wege nach Rom. Meine Anlage bietet mir gleich vier Varianten, die Youtube-Videos auf den Fernseher zu bekommen. Welche soll ich nehmen?

  1. Streaming über Twonky Beam (WLAN)
  2. Streaming über den Sat-Receiver (LAN)
  3. Streaming  über den Fernseher (LAN)
  4. Streaming über den Bluray-Player (LAN und WLAN)

Erkenntnis

Unterschätze nie die Möglichkeiten deines Geräteparks. Auf die Optionen eins bis drei bin ich selbst gekommen; dass auch mein Blu-Ray-Player zum erlauchten Kreis der Youtube-Streamer gehört, darauf wäre ich nie gekommen. Dank an Mitautor Holger, der mich auf diese Idee brachte.

Streaming via Twonky Beam über das WLAN

Twonky Beam ist eine App für Android und iOS, die Youtube-Videos vom Smartphone oder Tablet via WLAN auf den Fernseher überträgt ("beamt").

Das lief gut

Twonky Beam starten, auf das Youtube-Icon klicken und die Trailer zusammensuchen, das ist schnell gemacht. Dann einen Trailer auswählen und diesen mit dem Beam-Button in Richtung Fernseher senden, alles ebenfalls problemlos.

Hier ist noch Luft nach oben

Doch, o Weh: Die vom Smartphone in Richtung TV geschickten Streams kamen nie an. Obwohl mit 35 Mbit/s mehr als genug WLAN-Bandbreite zur Verfügung stand, haben es weder der 1080p- noch der 720p-Stream auf den Fernseher geschafft. Twonky scheint da sehr ineffizient zu arbeiten, denn weder das Huawei Ascend G615 Smartphone, noch das Samsung Galaxy Tab 10.1 N Tablet hatten genug Rechenpower für diese Aufgabenstellung.

Fazit

Enttäuschend! Bei 480p ist Schluss mit Twonky-Streaming. Das bedeutet: Weder die Video- noch die Soundqualität ist besonders gut. Wobei der Twonky mildernde Umstände für das Soundthema geltend machen kann. Twonky würde die Youtube-Videos auch dem AV-Receiver zur Verfügung stellen, wenn dieser sie dann annehmen würde. Für diese Formatschwäche kann Twonky nichts. Damit wäre der Videoqalität zwar nicht geholfen, aber der Sound wäre besser. Trotzdem: So geht das nicht, deshalb auf zur zweiten Option.

Streaming via Sat-Receiver

Über das Media-Menü habe ich die integrierte Youtube-App des Kathrein UFS-912 gestartet. Die Firmware ist die aktuelle Version 2.06

Das lief gut

Der Stream läuft im Vollbild. Die Suchfunktion ist soweit ok. Das Eintippen über die Zahlentasten der Fernbedienung ist zwar systembedingt nervig, aber dafür liefert der Kathrein die Ergebnisse recht zügig. Auch beim Umschalten zwischen den einzelnen Trailern gibt es keine Latenzzeiten, also Verzögerungen. Da der Sat-Receiver seine Daten an den AV-Receiver übergibt, ist auch der Sound ok.

Hier ist noch Luft nach oben

Überhaupt nicht ok ist aber die Videoperformance. Der Kathrein kam mit dem Seitenverhältnis der Streams nicht zurecht. Er hat alle Streams gnadenlos auf das Seitenverhältnis 4:3 zusammengestaucht. Das Ergebnis: Grob, verpixelt, verzerrt - selbst Full-HD-Videos sahen aus, als kämen sie aus der Bewegtbild-Steinzeit. Egal, ob ich "niedrig", "mittel" oder "hoch" eingestellt habe - die Optik war unabhängig von der vorgegebenen Stream-Qualität.

Fazit

Besser als ein Twonky-Stream, aber trotzdem weit entfernt von dem, was ich als schickes Fernseherlebnis bezeichnen würde.

Streaming über den Fernseher

Auch mein Panasonic-Fernseher kann Youtube-Videos abspielen, ist ja schließlich ein Smart TV mit Internetzugang. Die Youtube-App wird mit zwei Fernbedienungs-Klicks über das Viera-Connect-Portal gestartet.

Das lief gut

Die App startet zügig. In der Navigation einige vordefinierte Kanäle wie "Video Specials", "Meist gesehen" oder "Beste Bewertungen" und eine Suchfunktion. Die Suchwörter werden mit Hilfe der Fernbedieung eingegegeben. Das macht natürlich keinen Spaß, ist aber auch nicht schlechter gelöst als bei anderen Anbietern. Die Suchen werden zügig ausgeführt, die Ergebnisse werden übersichtlich aufgelistet und dann mit Hilfe der Fernbedienung gestartet.

Einen Usability-Preis wird Panasonic für diese App nicht bekommen, aber man kann damit leben. Die Qualität der Videos lässt nichts zu wünschen übrig. Der Fernseher akzeptiert alles bis 1080p und spielt es ruckelfrei und unverzerrt ab.

Hier ist noch Luft nach oben

Die Filme laufen nicht im Vollbildmodus, sondern im Fenster. Das ist Schade, denn so wird viel Platz auf dem Bildschirm verschenkt. Außerdem liefert der Panasonic nur den Fernsehklang, da das Signal nicht über den AV-Receiver läuft. Das ließe sich aber durch ein optisches Digitalkabel, das den Fernseher mit dem AV- Receiver verbindet beheben.

Fazit

Kein Vollbild und nur TV-Sound, dafür aber unverzerrte Videos in Full-HD. Nicht perfekt, aber brauchbar.

Streaming mit dem Blu-Ray-Player

Zum Schluss der Geheimtipp: Der Denon Blu-Ray-Player DBP 1611 UD Network. Youtube wird über das Home-Menü des Players aufgerufen. Es dauert einige Zeit, aber dann erscheint die App auf dem Fernseher. Auch Denon bietet die klassischen Menüpunkte "Videos" und "Kanäle". Hier listet der Denon vordefinierte Listen der beliebtesten Videos und Kanäle. Diese Kanäle sind sehr unspezifisch und US-lastig. Aber zum Glück gibt es auch eine Suchfunktion. Die einzelnen Buchstaben muss man sich wie bei den anderen Lösungen mit der Fernbedienung zusammenklicken. Positiv: Der Denon liefert standardmäßig Videos in HD-Qualität. Wer alle Videos zu einem Thema sehen will, muss diesen Filter vor der Suche ausschalten.

Das lief gut

Nach kurzer Pufferzeit starten sämtliche Videos problemlos in 1080p. Da der Blu-Ray-Player seinen Stream an den AV-Receiver weiterreicht, kommt die gute Qualität des Streams voll zur Geltung. Der AV-Receiver trennt den Stream auf. Der Video-Anteil geht an den Fernseher, der Audio-Anteil an die Surround-Anlage und den Subwoofer (5.1). Die klassischen Kontrollelemente wie "Start", "Stopp" und "Pause" der Fernbedienung stehen auch zur Verfügung.

Als Bonus bietet der Player das so genannte Pairing an. Beim Pairing verbindet Youtube ein mobiles Endgerät Ihrer Wahl mit dem Fernseher. Die auf dem Tablet oder Smartphone ausgewählten Videos werden dann auf dem Fernseher angezeigt.

Während Twonky Beam versagt hat, hat diese Kombi prinzipiell funktioniert. Die am Tablet ausgewählten Streams werden in Full HD abgespielt, allerdings muss man zwischen fünf und sieben Sekunden warten, bevor der Stream auf dem Fernseher erscheint. Diese Latenzzeiten sind mir persönlich zu hoch, auch sonst ist das Zusammenspiel zwischen Tablet und TV eher zäh. Ich habe das Pairing deshalb aufgegeben und bin wieder auf die Fernbedienung umgestiegen.

Das lief richtig gut

Der Denon 1611 bietet nicht nur Pairing als Option an, sondern auch die Verknüpfung eines Youtube-Kontos mit dem Player. Das klappt richtig gut. Die Verknüpfung ist in Windeseile hergestellt:

  1. Den Menüpunkt "Anmelden" aufrufen. Der Denon reicht den Verknüpfungswunsch an Youtube weiter.
  2. Youtube antwortet mit einem Aktivierungscode. Den schreibt man ab.
  3. Auf dem PC oder Smartphone ruft man Youtube auf, loggt sich ein und ruft dann www.youtube.com/activate auf.
  4. Dort gibt man den vorher abgeschriebenen Code ein, bestätigt den Verknüpfungswunsch und ist im Geschäft.

Ab sofort präsentiert sich die Youtube-App des Denon komplett personalisiert. Die eigenen Videos, Abos und Playlisten - alles da. So soll es sein. Bleibt nur die Frage: Übersteht die Verknüpfung die Stromlosigkeit eines ausgeschalteten Blu-Ray-Players? Ja, tut sie. Verknüpft ist verknüpft, bis das der Tod uns scheidet ...

Ich habe nicht meinen normalen Google-Account mit dem Player verknpüft, sondern einen neuen Youtube-Account für die ganze Familie eingerichtet. So kann jedes Familienmitglied sich Playlisten anlegen und die Videos dann auf dem 55-Zöller ansehen.

Die Fernbedienung taugt nichts, wenn es darum geht, Programm zu machen. Dazu braucht man eine Tastatur und eine Maus. Deshalb stelle ich meine Videos und Playlisten am PC zusammen. Tablet wischen geht auch, aber nichts nimmt es an Effizienz so schnell mit einem klassischen PC-Setup auf.

Hier ist noch Luft nach oben

Die gesamte Navigation und auch die Suche laufen auf dem Blu-Ray-Player nicht so fix, wie auf den anderen Geräten. Einfach auf der Fernbedienung zweimal den Pfeil nach oben drücken und, schwupp, ist der Navigationsbalken zwei Menüpunkte weiter oben - das läuft nicht. Da muss man schon einige andächtige Sekunden einplanen. Auch die Playlisten sind nicht wirklich fix am Start. Aber wer ein bisschen Geduld mit dem Denon hat, kommt Klick für Klick ans Ziel.

Kein schwerwiegendes Manko, sondern ein eher possierliches Problem: Der Denon mag keine Umlaute. Jedes ä,ö,ü wird einfach ignoriert. Aber damit kann man leben. Dann geh'  ich halt "zurck ins Hauptmen".

Fazit

Ich baue meine Youtube-Playlisten am PC und schaue sie mir dann über den Blu-Ray-Player an. So stelle ich mir Individual-TV vor. Die zähe Navigation nehme ich in Kauf, dafür bekomme ich aber ruckelfreie Videos in Full-HD-Auflösung und den Sound der Surround-Anlage. Besser eine behäbige Navigation als stotternde Videos.

Was Sie mitnehmen sollten

  1. Ihre Anlage kann vermutlich mehr, als Sie ihr zutrauen. Forschen Sie!
  2. Transferleistung ist gefragt. Sie können mein Szenario nicht 1:1 auf Ihre Anlage übertragen. Vielleicht macht bei Ihnen der AV-Receiver das Rennen oder Ihr Fernseher ist moderner als meiner und hat eine Soundbar und eine bessere Youtube-App. Dann küren sie eben den TV zum Streaming-König.
  3. Im Artikel ist das ein bißchen untergegangen; aber ruckelfreies 1080p bedeutet natürlich: DSL 16.000 oder besser. Außerdem sollten Sie eine echte, ungedrosselte DSL-Flat am Start haben. In guten Youtube-Monaten ziehen wir hier in der Familie locker Bewegtbilder  im Gegenwert von 60 - 70 Gigabyte aus der Leitung. Dazu noch die Musik und der klassische Web-Kram - da sind 100 Gigabyte gleich verdampft.

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