Video-on-Demand: Sechs Streaming-Anbieter im Vergleich

von Redaktion SofaCentral in Im Fokus, veröffentlicht am 16.10.2014

Amazon, Maxdome,Netflix etc.- mittlerweile tummeln sich gut zehn VoD-Streaming-Anbieter in Deutschland. Alle gleichzeitig zu abonnieren kann nicht die Lösung sein. Aber nach welchen Kriterien soll ich meinen Anbieter auswählen? Reicht es nur nach den Inhalten zu gehen, oder muss ich sonst noch etwas beachten? Unser Vergleich gibt die Antworten.

Unser Fernsehverhalten verändert sich derzeit stark. Mediatheken und Streaming-Angebote helfen uns dabei, uns vom starren Programmschema der TV-Sender abzunabeln. Wir gucken jetzt einfach genau das, was wir wollen, und zwar genau dann, wenn uns danach ist. Die Kosten für die Online-Videotheken, also Streaming-Anbieter von A wie Amazon bis W wie Watchever halten sich in engen Grenzen. Doch zunächst sollte man die Frage klären: Welches Video-on-Demand-Angebot (VoD) passt am besten zu mir?

Vier Kriterien sind bei der Auswahl eines VoD-Anbieters besonders wichtig:

  1. Technische Qualität des Streams
  2. Benutzerfreundlichkeit
  3. Preis
  4. Inhalte

Technische Qualität des Streams

Für alle von uns getesteten Anbieter gilt "Das ist ja wie Fernsehen". Sie wählen den Film aus, starten die Wiedergabe und los geht´s. Nach einer kurzen Pufferzeit streamen alle Anbieter die Filme ruckelfrei und in guter Qualität. HD-Filme kommen nicht ganz an Blu-ray-Qualität heran, sehen aber sehr gut aus. Netflix hat manchmal die Nase bei der Bildqualität leicht vorn und auch der Ton scheint uns etwas druckvoller abgemischt als bei der Konkurrenz. Wir haben mit einem HD-Beamer und einer 5.1-Anlage getestet. Wenn Sie vor einem normalen Fernseher sitzen, werden Ihnen jedoch keine Qualitätsunterschiede zwischen den Anbietern auffallen.

Fazit: Um das Thema "Technische Qualität des Streams" müssen Sie sich keine Gedanken machen. Vorausgesetzt, ihr Internet-Zugang bietet eine Bandbreite von mindestens 6 MBit, gilt das auch für das Streamen in HD.

Benutzerfreundlichkeit

Auch bei der Bedienung kann kein Anbieter einen Sieg gegenüber der Konkurrenz verbuchen. Alle VoD-Dienste sind sehr einfach bedienbar. Maxdome hat kurz vor dem Launch von Netflix noch einmal nachgelegt und seine Benutzeroberfläche verbessert. Unsere Prognose: Über kurz oder lang werden sich die Streaming-Dienste immer ähnlicher werden. Warum? Weil alle das gleiche Ziel haben: Sie möchten ihre Filme bestmöglichst präsentieren. Da kupfert einer vom andern ab und irgendwann hat man dann einen Quasi-Standard. Kennen wir ja vom Auto, ob Rolls Royce oder Dacia: Gaspedal und Bremse rechter Fuß, Kupplung linker Fuß.

Wir meinen: Die Bedienung ist auch kein wirklich relevantes Entscheidungskriterium.

Optik und Besonderheiten

Netflix und Amazon sind einen Schritt voraus wegen der Optik (Darstellung großer Cover) und der vom System per Algorithmus automatisch erzeugten individuellen Empfehlungen für jeden Nutzer.  

Und zwei Besonderheiten heben Netflix und Maxdome etwas über die Konkurrenz hinaus: Netflix erlaubt das Einrichten von Nutzerkonten. Das hat den Vorteil, dass innerhalb einer Familie oder WG jeder seine persönlichen Favoriten und Abspielpositionen jederzeit parat hat. Ich sehe meine aktuelle Lieblingsserie also genau von dort an weiter, wo ich aufgehört habe. Super.

Maxdome dagegen bietet "Video to go": Der Anbieter erlaubt es dem Nutzer, die Videos lokal auf ein Mobilgerät zu speichern und unterwegs anzuschauen. Das ist beispielsweise für Bahnreisen großartig, oder für Besuche bei Verwandten, die kein WLAN haben.

Bei Snap kann der Kunde mit der zubuchbaren Option Snap Extra (6,99 Euro) ebenfalls Videos auf ausgewählte Mobilgeräte speichern.

Was uns noch aufgefallen ist: Netflix verzichtet im Gegensatz zur Konkurrenz auf die Rubrik "Neu". Es fällt deshalb schwer, interessante Neuheiten im Angebot auf einen Blick zu erkennen.

Preis

Hier müssen Sie das erste Mal genauer hinsehen. Flatrate oder Videotheken-Modell (virtuelles Ausleihen), das ist hier die Frage. In unserer Tabelle haben wir die wichtigsten Anbieter zusammengefaßt.

DienstFlatrate,
monatliche Kosten
AusleiheKaufkostenloser
Testmonat
Kündigungs-
frist
Amazon Prime,
Prime Instant Video
*
ja, 49 € pro Jahr
7,99 €
jajajajährlich
iTunesneinjajaneinentfällt
Maxdome7,99 €jajajamonatlich
Netflix7,99 € - 11,99 € (Preisliste)neinneinjamonatlich
Snap by Sky3,99 €nein, aber Offline-Modus möglichneinneinmonatlich
Watchever8,99 €nein, aber Offline-Modus möglichneinja, aber der erste Monat kostet, der zweite ist gratismonatlich
Vorsicht bei Angeboten mit Leih- und Kaufoption

Dienste wie Amazon und Maxdome bieten über das Flatrate-Modell hinaus die Option, neuere Videos zu leihen oder zu kaufen. Die Ausleihe gilt für einen fest definierten Zeitraum, der "Kauf" bedeutet, ich kann diesen Ihnalt ab sofort so lange und oft ansehen, wie ich möchte.

Doch nur zu schnell hat man sich verklickt und streamt keinen Flatrate-Film sondern einen kostenpflichtigen Verleih-Film. Da der Anbieter die Kontodaten des Nutzers kennt, muss nicht nachgefragt werden "Wollen Sie wirklich ...", sondern losgestreamt und abgebucht. Uns fiel beispielsweise bei Amazon auf, dass wir recht schnell und ungewollt zu den kostenpflichtigen Angeboten wechselten.

Bei Maxdome beispielsweise ist das erheblich besser gelöst. Man muss zum Leihen oder Kaufen eines Videos erst einmal in den "Store"-Bereich wechseln und sieht die geforderten Betrage deutlich vorher.

Bei Netflix oder Watchever gibt es diese Gefahr gar nicht, beide verzichten auf Angebote über das Flat-Paket hinaus.

Also: Vorsicht bei Anbietern, die Leihe oder Kauf erlauben. Denn wenn man für eine einzelne, gut 20 Minuten lange Folge der "Simpsons" schlappe 2,49 Euro zahlen soll, geht das doch schnell ins Geld ... (das Beispiel haben wir bei Amazon gefunden).

Inhalte

Die Inhalte sind mit Sicherheit das Hauptkriterium, aber auch der am schwersten zu fassende Punkt für einen fairen Vergleich. Warum? Weil sich die Lizenzlage immer wieder ändert. Die Anbieter  versuchen laufend mehr Serien und Filme zu bieten, verlieren aber aufgrund auslaufender Lizenzen auch ständig Streaming-Rechte.

Wer hat wie viel?

Die untenstehende Tabelle haben wir im Oktober 2014 recherchiert.

AnbieterFilmeSerien & TV
Amazon*8.396 (Prime: 2.228)2.515 (Prime: 860)
iTunesca. 13.000250.000 TV-Episoden, 65.000 TV-Filme
Maxdome7.5001.000 Serien
Netflix877keine Angaben
Snap by Sky5.000 (keine Aufteilung Filme / Serien)in "Filme" enthalten
Watchever2.50010.000 Serien-Episoden, TV-Shows, Dokus

Quellen: Web-Sites der Anbieter, Heise, iFun, Notebook Info, PC Magazin, Wer streamt es

Wir haben uns sehr schwer getan, wirklich exakte Zahlen zu ermitteln. Zum einen, weil das Angebot ständig im Fluss ist. Wenn Sie einen Film oder eine Serie finden, die Sie gerne sehen möchten, dann tun Sie das. Es könnte sein, dass sie zum Monats-, Quartals- oder Jahresende verschwindet.

Der zweite Punkt: Die Anbieter haben gar kein Interesse, die Größe Ihrer Filmdatenbank genau zu beziffern. Damit machen sie sich nur vergleichbar.

Außerdem ist es die Geschäftspolitik aller VoD-Dienste, Sie über ausgeklügelte Empfehlungs-Algorithmen immer tiefer in den jeweiligen Anbieter hineinzuziehen. Wenn möglich liefert der Anbieter ihren Wunschfilm, aber wie ein guter Verkäufer wird er nie sagen "Haben wir nicht", sondern immer eine Alternative präsentieren. "The Avengers" haben wir nicht, aber lieber Marvel-Freund, wie wäre es mit "Thor" oder dem "unglaublichen Hulk"? Bei Serien ist es genauso.

Kurzcharachteristik der VoD-Anbieter

Amazon* hat den größten Bauchladen im Internet. Deshalb gibt´s nicht nur Filme satt, sondern die exzellente Amazon-Logistik als Dreingabe. Bestellungen kommen - ohne Mindestbestellwert - über Nacht und kostenfrei. Amazon streamt zwar auch auf Android-Geräte, bevorzugt dabei aber eindeutig die hauseigenen Fire-Tablets.

Der iTunes-Store ist - wie im Apple-Universum üblich - fest mit der iTunes-Software verdrahtet. So müssen erst die kostenlose Software herunterladen und installieren (gibt es für iOS und Windows), bevor Sie Filme kaufen können. iTunes ist kein Video-on-Demand-Anbieter, sondern eine Online-Videothek. Filme werden nicht gestreamt, sondern heruntergeladen und können nicht auf Android-Geräten abgespielt werden. iTunes ist deshalb nur empfehlenswert, wenn Sie sich bereits im Apple-Universum bewegen.

Maxdome gehört zur ProSiebenSat1 Media AG und hat viele Lizenzen für Serien und Filme, die bereits auf den TV-Kanälen der Gruppe liefen. "Danny Lowinski", "Der letzte Bulle" oder auch viele Folgen von "TV Total" gehören dazu. Der Dienst bezeichnet sich selbst als "beliebteste deutsche Online-Videothek" und bietet Flatrate, Leih und Kaufoption.  

Netflix ist spät dran. Der US-Gigant startet spät in Deutschland und hat deshalb kein so großes Angebot wie die anderen Anbieter. Netflix sieht sich selbst als Internet-Fernsehsender und nicht so sehr als Video-on-Demand-Service. Deshalb legt Netflix großen Wert darauf, selbst Serien zu produzieren. Von House of Cards, bis Hemlock Grove ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Snap by Sky gehört wie der Name zum Pay-TV-Anbieter Sky. Das Unternehmen hat den monatlichen Preis vor dem Netflix-Start in Deutschland auf 3,99 Euro reduziert und ist damit derzeit der günstigste Anbieter. Zu den Programm-Highlights gehören beispielsweise Eigenproduktionen des US-TV-Senders HBO. Mit Snap Extra steht ein Zusatzangebot für alle bereit, die sich mit zwei Geräten gleichzeitig einloggen und heruntergeladene Inhalte offline anschauen wollen. Der Preis für Snap Extra berträgt 6,99 Euro.  Nicht gefallen hat uns die sehr eigenartige Marketingpolitik dieses Anbieters.

Watchever ist eine Tochter des größten französischen Medienunternehmens Vivendi SA. Auch bei Watchever gibt es einen Gratismonat. Allerdings ist nicht der erste Monate kostenfrei, sondern der zweite. Ganz schön schlitzohrig diese Franzosen.
Allerdings sind seit dem Netflix-Start die Gerüchte um einen Verkauf der defizitären Streaming-Plattform wieder aufgeflammt. Angeblich hat Watchever bei 350.000 Abonnenten rund hundert Millionen Euro Anlaufverlust angehäuft.

Was sie von keinem Dienst erwarten dürfen

In schwarzweiß gedrehte Arthouse-Filme für den anspruchsvollen Cineasten. Alle Anbieter bedienen den Mainstream. Kino bedeutet hier Cinemaxx und nicht Filmfestival. Arthouse und Nischenfilme finden Sie bei Netzkino umsonst.

Unsere Prognose: Das Video-Streaming wird den gleichen Weg gehen, wie das Musik-Streaming. Man wird auf allen Diensten fast alle Filme und Serien sehen können. Jedenfalls, wenn sie alt genug sind. Bei ganz aktuellen Filmen und Serien, mag es noch Exklusivstreamingrechte geben, aber da wird jeder Streaming-Anbieter mal zum Zuge kommen. Kein Grund, um darauf die Auswahl des Dienstes zu basieren.

Fazit

Bei der Auswahl des VoD-Anbieters spielen nur die Faktoren Preis und Inhalt eine Rolle. Welche Filme und Serien wollen Sie sehen? Hat der von Ihnen preislich favorisierte Anbieter diese Filme im Angebot? Wenn ja, dann melden Sie sich an. Sie müssen dabei nicht die Katze im Sack kaufen. Die meisten Streaming-Anbieter bieten einen kostenlosen Testmonat an. Außerdem: Bei einem Monat Kündigungsfrist ist Abo-Hopping immer eine Option. Wenn Sie den ersten Anbieter abgegrast haben, wechseln Sie einfach zum nächsten.

Wenn Ihnen ein Film gefällt, sollten Sie ihn zügig streamen und nicht auf der Wunschliste abhängen lassen, sonst kann es sein, dass die Lizenz ausläuft und der Film weg ist.

Unserer Meinung nach wird sie jeder Anbieter gut unterhalten, wenn Sie ein halbwegs normales Sehverhalten haben.

Koma-Seher, die darauf bestehen alle Folgen aller acht Staffeln Ihrer Lieblingsserie in einem Rutsch sehen zu müssen und Menschen, die ein bißchen suppenkasperig drauf sind “Ich will nicht irgendeinen Animationsfilm sehen, sondern Toy Story 3” haben es schwer. Wer ein bißchen flexibel und neugierig ist sollte keine Probleme haben einen netten TV-Abend an den Start zu bekommen.

Deutschland ist der härteste Fernsehmarkt der Welt. Auch wenn wir sie oft verfluchen, wir profitieren von den öffentlich-rechtlichen Sendern. Alle Streaming-Anbieter müssen sich mächtig strecken, um den Öffentlich-Rechtlichen Zuschauer abzujagen.

Zum Schluß noch ein kleiner Wunsch: Es wäre schön, wenn man sein monatliches Abo ruhen lassen könnte. Wer beispielsweise im August im Urlaub ist, zahlt einen Monat lang keine Monatsgebühr, ist dann aber automatisch ab September wieder dabei.


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