Streaming, was ist das? Filme und Musik aus dem Internet

von Albert Warnecke in Grundlagen, veröffentlicht am 19.11.2014

Was ist dieses Video- und Audio-Streaming, vom dem man jetzt so viel hört? Ist Streaming legal? Was versteht man genau unter Video on demand (Vod)? Wir erklären es.

In grauer Vorzeit gab es alles nur live. Musiker haben musiziert, Schauspieler standen auf der Bühne und das Publikum hat zugehört und zugeschaut. Dann haben die Ingenieure die Datenkonserve erfunden. Musiker und Schauspieler spielten nicht mehr nur live, sondern gingen ins Studio und zeichneten ihre Werke auf Tonband auf. Das war die Geburt von Schallplatte und Film. Im Laufe der Jahre wurde aus den Schellack-Schätzchen erst Vinyl-Scheiben und dann die CD, Video-Band verwandelte sich in DVDs und Blu-rays.

Was blieb: Man hatte ein Ding (den Datenträger), den man in ein anderes Ding (das Abspielgerät) stecken musste, um Musik zu hören oder einen Film zu sehen.

Und nun sind wir beim nächsten Schritt, nämlich Streaming. Streaming bedeutet: Es gibt nur noch ein Ding, nämlich das Abspielgerät. Der Datenträger wird nicht mehr gebraucht.

Wie kommen dann Musik und Film zu mir?

Übers Internet. Ohne Internetzugang geht es nicht. Dienste wie Spotify oder Deezer (Musik) und Maxdome, Amazon, Netflix & Co. sowie viele Fernsehsender mit ihren Mediatheken (Video) lagern alle Daten auf ihren Servern und schicken sie auf Anforderung über das Internet zum Nutzer. Auch Internet-Radio funktioniert so.

Verstehe, ein Download.

Nein, kein Download - sondern Streaming. Download bedeutet:

  1. Der Server schickt eine Datei
  2. Ihr Rechner speichert diese Datei auf seiner Festplatte.
  3. Sie klicken auf die Datei und Ihr Rechner öffnet das passende Programm und spielt die Datei ab.

Beim Download fungiert die Festplatte als Datenträger. Heruntergeladene Dateien können beliebig kopiert und weitergegeben werden.

Streaming - egal ob Video on demand oder Musik-Streaming - funktioniert anders.

  1. Ihr Abspielgerät (Fernseher, Tablet, Smartphone oder PC) fragt beim Server des Anbieters einen Film oder ein Musikstück an.
  2. Der Server schickt keine Dateien, sondern einen Datenstrom (den Stream), der direkt vom Abspielprogramm verarbeitet und angezeigt wird.

Zwischenfrage: Was passiert eigentlich, wenn noch jemand zur gleichen Zeit das Musikstück hören möchte oder den gleichen Film wie ich anschauen möchte?

Die Server der Anbieter sind leistungsfähig. Sie können Millionen von Streams gleichzeitig verwalten. Video-on-Demand-Anbieter  Netflix ist für 30 Prozent des Datenverkehrs im US-amerikanischen Internet verantwortlich.

Streaming hat mehr mit dem klassischen Senden eines Programms zu tun als mit einem Download, wie man es vom PC kennt. Wenn der Stream abgespielt wurde, bleiben keine Rückstände auf der Festplatte zurück. Das freut die Rechteinhaber, denn wo nichts ist, kann auch nichts kopiert werden.

Dann ist Streaming ja nicht so doll. Downloaden ist dann doch besser, oder?

Durchaus nicht. Wir finden, dass Streaming die Vorteile von Radio und Fernsehen mit den Vorteilen von Medienkonserven kombiniert.

Nehmen wir Deutschlands beliebteste Nachrichtensendung als Beispiel.

Klassisches Fernsehen hat den Vorteil: Sie müssen es schaffen, pünktlich um 20 Uhr vor dem TV-Gerät zu sitzen. Weitere technische Kenntnisse oder Equipment wie eine externe Festplatte sind nicht erforderlich. Der Nachteil: Sie müssen um 20 Uhr vor dem Fernseher sitzen. Wenn Sie zwei Minuten zu spät einschalten, haben Sie die Top-Nachricht des Tages bereits verpasst.

Vorteil einer Medienkonserve: Wenn Sie die Tagesschau aufnehmen, können Sie erst in Ruhe zu Abend essen und sich dann die Nachrichten - vielleicht um 20:54 Uhr - anschauen. Der Nachteil: Sie müssen die Aufnahme programmieren und irgendwohin muss der Fernseher die Aufnahme ja speichern. Sie müssen mindestens in einen USB-Stick oder eine externe Festplatte investieren, und diese auch pflegen -  sprich: immer wieder Platz schaffen und Aufnahmen löschen.

Jetzt kommt Streaming: Wenn Ihr Fernseher ein sogenannter Smart TV mit Internet-Zugang ist, dann ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ein kleines Programm, heute heisst so etwas “App”, mit der Bezeichnung “Tagesschau” oder “Tagesschau in 100 Sekunden” vorinstalliert. Damit können Sie die ganze Nachrichtensendung ansehen wann immer sie wollen; und zwar ohne sie vorher aufzunehmen. Einfach die App starten und los geht´s. Streaming ist für Sie als Nutzer genau so einfach wie fernsehen.

Video on Demand und Musik-Streaming haben noch weitere Funktionen von ihren Ahnen DVD und CD geerbt.

  1. Sie können den Stream stoppen für "Ich hol mir noch ein Bier."
  2. Zurückspulen, "Moment mal, was hat der gerade gesagt?"
  3. Vorspulen, "Mein Gott, ist das langweilig."
  4. Video-Streams können Sie unterbrechen wegen "Ich bin müde, den Rest seh´ich mir morgen an". Morgen geht´s dann automatisch an der Stelle weiter, an der Sie heute abgebrochen haben. Das kann die DVD nur, wenn der Player diese Funktion unterstützt.

Öffentlich-rechtliches Mediatheken-Streaming ist kostenfrei, für kommerzielle Video-Dienste zahlen Sie im Abo zwischen 3,99 und 11,99 Euro pro Monat. Musik-Streaming-Dienste wie Spotify und Deezer sind unter bestimmten Bedingungen sogar gratis, spielen dann aber teilweise Werbung ein. Die Premium-Varianten sind werbefrei. Spotify und Deezer Premium kosten je 9,99 Euro monatlich. Wer mehr über Video-Sreaming-Anbieter wissen möchte: Hier unser Artikel "Video-on-Demand: Sechs Streaming-Anbieter im Vergleich".

Ist Streaming legal oder illegal?

Das kommt auf den Dienst an. Alles, was Sie in den Mediatheken der Fernsehsender finden, dürfen Sie unbesorgt und legal streamen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine öffentlich-rechtliche Mediathek oder das Angebot eines Privatsenders wie Sat 1, Pro 7 oder RTL handelt.

Der Deal “Geld gegen Filme” ist natürlich auch immer legal. Darunter fallen Abos bei Diensten wie Amazon Prime Instant Video, Maxdome oder Netflix. Auch Pay-per-View-Dienste wie iTunes sind legal. Und auch bei allem, was Sie auf Videoportalen wie Youtube oder Vimeo finden, sind Sie auf der sicheren Seite.

Wenn Sie legal Musik streamen möchten, melden Sie sich bei Abo-Diensten wie Spotify, Deezer oder einem anderen Anbieter an. Die meisten Dienste lassen sich - mit mehr oder weniger großen Einschränkungen - auch dauerhaft kostenlos nutzen.

Die ganzen Radio-Streams, die Sie im Internet finden, hören Sie ebenfalls legal.

Was ist dann illegal?

Alle Web-Sites, die nicht in eine der oben genannten Kategorien fallen, müssen nicht per se illegal sein. Aber so richtig weiß ist die Weste der Betreiber dieser Dienste oft nicht. Es bleibt Ihnen überlassen, wie viel Grau Sie vertragen.  

Wir meinen: Kostenlos und legal schließen sich im Internet nicht mehr aus. Es gibt mittlerweile genug sehenswerte Filme und genug hörenswerte Musik. Da muss niemand mehr in trüben Quellen fischen.  

Wenn Sie allerdings den nächsten Hollywood-Blockbuster sehen möchten, bevor er in die Kinos kommt, werden Sie weiterhin auf halbseidene Quellen angewiesen sein.

Fazit

Video-on-Demand und Audio-Streaming sind gekommen um zu bleiben. Dafür sind diese Dienste viel zu komfortabel und zu preiswert. Streaming bedeutet: Sehen und hören was man will, wann man will und wo man will. Die 20-Uhr-Stampede zur Tagesschau auf dem Sofa ist sowieso total 20. Jahrhundert, das muss man sich heute wirklich nicht mehr antun.


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