So ändert Video-Streaming unser TV-Verhalten

von Redaktion SofaCentral in Im Fokus, veröffentlicht am 23.01.2015

Zwei Sofacentral-Redakteure klären im Selbstversuch die Frage: Was macht Video on Demand mit unserem Leben? Serien und Filme ohne Ende, permanente Verfügbarkeit, HD-Qualität. Wie gehen die tapferen Redakteure mit dieser Versuchung um? Lesen Sie selbst.

Sofacentralist Ralf

Bei uns hat das Thema Video-Streaming erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2014 Bedeutung erhalten. Davor haben wir den täglichen TV-Konsum aus dem Programm frei empfangbarer Sender sowie dem Archiv des digitalen Festplattenrekorders gespeist. Soll heißen: Entweder haben wir ein Programm live angesehen (vor allem der Öffentlich-rechtlichen), es zeitversetzt mit Hilfe der Festplatte angesehen oder eine gespeicherte Aufnahme abgespielt. Selten nutzten wir das Angebot der unterschiedlichen Mediatheken.

Nach einem knappen halben Jahr mit unterschiedlichen Streaming-Anbietern hat sich das ziemlich deutlich verändert. Nach wie vor gilt vor einem gemütlichen TV-Abend der erste Blick unserer Programmzeitschrift "TV Spielfilm". Springt uns eine lohnende aktuelle Sendung ins Auge, sei es Spielfilm, Serie oder Sportübertragung, fällt die Wahl zwischen Aufzeichnung oder live sehen. Immer häufiger fällt die Entscheidung aber gegen diese Optionen. Unsere Lieblingssendungen wie "Inas Nacht" im Ersten oder die NDR-Talkshow bleiben davon natürlich ausgenommen.

Aber die Bedeutung des Live-Programms schwindet von Woche zu Woche mehr. Denn wir sind inzwischen zu Serien-Junkies geworden. Da werden dann auch schon mal drei Folgen von "House of cards", "Sons of Anarchy" oder anderen Highlights am Abend konsumiert. Unser Favorit ist dabei derzeit Netflix, die bieten für uns einfach die attraktivsten Serien.

Und auf Reisen hilft das Angebot von Maxdome, Serienfolgen oder Filme für die Offline-Wiedergabe herunterzuladen, langweilige Zugfahrten quasi wie im Flug vorbeigehen zu lassen.

Sofacentralist Albert

Ich wollte weg vom Sitzzwang um 20:15 Uhr. Nur weil die Tagesschau vorbei ist und mein Wunschfilm beginnt, will ich nicht mit dem Abendbrot hetzen. Erst wird der Geschirrspüler eingeräumt, dann das Bier organisiert und dann kann´s um 20:27 Uhr von mir aus losgehen.

Außerdem möchte ich gerne vor Mitternacht im Bett liegen. Damit entfallen für mich die ganzen um 23:25 Uhr startenden Nischen-Filme und Dokus.

Meine bisherige Lösung

Ein ordentlicher Gerätepark. Der Sat-Receiver nimmt das TV-Progamm entgegen und speichert es wahlweise auf einer externen USB-Festplatte oder auf einer NAS.

Sämtliche Geräte (TV, Sat-Receiver, AV-Receiver und Blu-ray-Player) sind Teil des Heimnetzes und können auf die NAS als Speicherzentrale zugreifen. Außerdem sind die Geräte über den Router mit dem Internet verbunden und können so beispielsweise Youtube-Videos anzeigen.

Alles in allem eine echte Männerspielwiese. Am Anfang lief auch alles rund. Die Zahl der Aufnahmen war überschaubar, man fand, was man suchte, und kontinuierliche Aufnahme-Sessions mehrten den Datenschatz.

Die erste Ernüchterung

Viele Geräte brauchen viel Pflege. Hier ein System-Update, dort eine neue Senderliste einpflegen, und dazu das Gewühle in den Filmen. Klick hier, klick da, “Ich hab´s gleich Schatz...” aber finde mal was in 2 Terabyte an Filmen. Oft genug haben wir uns dabei ertappt, dann doch einfach das Fernsehprogramm anzusehen.

Die ganze Sache wurde schleichend immer schlechter nutzbar.

Netflix betritt die Bühne

September 2014: Netflix startet in Deutschland. Als Sofacentralist ist es natürlich meine Chronistenpflicht ein Testabo abzuschließen und über meine Erfahrungen zu berichten. Das habe ich auch getan. Nach dem Testmonat war klar: Die Familie will Netflix.

Unser Fernsehverhalten hat sich durch das Streaming-Angebot in den letzten Monaten deutlich geändert.

Streaming

Wenn wir uns informieren wollen, schauen wir die "Tagesschau in 100 Sekunden".

Der Name ist irreführend. In der App gibt es nicht nur eine hundertsekündige Zusammenfassung, sondern auch die ganz normalen Clips, wie sie auch im Fernsehen gesendet werden. De facto ist die "Tagesschau in 100 Sekunden" rund 20 Minuten lang und behandelt alle wichtigen Themen des Tages.

Wir haben bereits mehr als einmal um 19:59 Uhr die App angeworfen, uns ist dann erst mittendrin klar geworden: Wenn wir eine Minute gewartet hätten, hätten wir die "echte" Tagesschau sehen können.

Wenn man einen Zug erwischen will, muss man pünktlich sein, aber pünktlich und Fernsehen haben für uns nichts mehr miteinander zu tun.

Unterhaltung bedeutet für uns vor allem Netflix. Hin und wieder sprenkeln wir eine Festplatten-Aufnahme ein.

Genau wie Kollege Ralf sind wir Serien-Junkies geworden. Meist schauen wir zwei bis drei Folgen am Stück. Dank der Profile, die Netflix anlegt, werden die Empfehlungen immer besser. Wenn wir als Familie einen Film sehen wollen, wechseln wir in das Kids-Profil und dann geht´s "Ab durch die Hecke" oder wir besuchen die "Monster AG".

Wenn wir ohne Kinder schauen kommt entweder Sein Profil (Werwölfe, Orcs, eher unzivilisiert) oder Ihr Profil (deutlich menschenfreundlicher) zum Zug. Aber beide Profile haben eins gemeinsam: Wir finden deutlich schneller einen Film als bislang auf der NAS.

Wenn wir aufnehmen, dann auf die externe USB-Platte. Wenn wir Sonntagabend nicht zu Hause sind, nehmen wir die aktuelle Folge NavyCIS auf. Die Folge wird dann bis Mittwoch geschaut und danach gelöscht. Die Platte ist eigentlich nicht mehr als eine Art Überlauf.

Also alles super mit Streaming?

Einen echten Nachteil hat Streaming: Die Anbieter lizensieren Filme und Serien nicht für die Ewigkeit. Die Nummer “Ich pack´s mal in die Watchlist und schau es dann irgendwann" können Sie vergessen. Was gefällt sollte innerhalb von zwei Monaten auch geschaut werden. Mal davon abgesehen, dass eine kilometerlange "Will-ich-noch-schauen"-Liste sehr schnell zu einer stressigen "Das-MUSS-ich-noch-alles-schauen"-Liste wird.

Fazit

Wenn ich mich heute noch einmal neu einrichten würde, würde ich auf Kabel, Satellit und ein voll ausgebautes Heimnetzwerk verzichten. Eine dicke DSL-Leitung (ab DSL 16.000) würde mir reichen. Das öffentlich-rechtliche TV bekomme ich über die Internet-Mediatheken und für Unterhaltung  sorgt ein Streaming-Dienst wie Amazon Prime, Maxdome oder Netflix.

Youtube gibt´s als Bonus obendrauf, jeder moderne Fernseher hat auch eine Youtube-App an Bord. Mit diesem Setup bekomme ich sehr pflegeleicht mehr als genug Bewegtbild ins Haus.


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