Netflix Deutschland: Was bieten Angebot und Technik?

von Albert Warnecke in Im Fokus, veröffentlicht am 16.09.2014

Knapp eine Woche ist seit dem deutschen Netflix-Start vergangen. Wir haben mit unserem Probezugang inzwischen intensive Erfahrungen mit dem Angebot gemacht. Hier unser Fazit. Technik und Serien hui, Filme pfui

Der Einstieg vor einer Woche verlief reibungslos:

Mein Einstieg bei Netflix: Um 8:52 Uhr die Willkommens-Mail gelesen, um 8:53 Uhr netflix.com aufgerufen und um 9:01 mäht Kate Beckinsdale in Underworld die ersten Werwölfe nieder.

Obwohl vom Blog bis zum Mainstream alle Medien den Start von Netflix auf der Titelseite haben, ist die Netflix-Web-Site sofort da. Das gibt schon einmal Pluspunkte. Wie oft müssen Web-Site-Anbieter zerknirscht zugeben "Mit diesem Ansturm hätten wir nicht gerechnet".

Ich habe mich über den Browser am PC bei Netflix angemeldet. Man kann sich auch über die Netflix-App anmelden, aber das war mir zu nervig. Wenn es um administrative Aufgaben geht, bevorzuge ich Maus und Tastatur.

Der erste Monat gilt als Probezeit und ist kostenlos. Die Anmeldung selbst ist simpel.

  1. Name, E-Mail, Passwort
  2. Kontoverbindung. Zur Auswahl stehen Kreditkarte, Bankeinzug und Paypal. Wenn Sie sich für den Bankeinzug entscheiden triggert das eine Schufa-Abfrage. Der erste Monat ist kostenlos, danach werden - je nach Option zwischen 7,99 Euro und 11,99 Euro fällig.

Das war´s. Was mir gut gefällt, ist der Begrüßungs-Screen. Hier fasst Netflix noch einmal alle relevanten Infos zusammen. Sie erhalten eine klare Ansage bis wann und wie Sie ihre kostenlose Mitgliedschaft kündigen können.

Fazit bisher: Die Web-Site ist schnell, die Anmeldung ist professionell aufgebaut und ich habe nicht das Gefühl, hier in eine Sache hineingetrickst zu werden.

Aber wie sieht es mit dem Filmangebot aus?

Netflix präsentiert direkt nach dem Start einige Filme und  Serien. Da Netflix Ihre Vorlieben (noch) nicht kennt, bietet das Programm einen bunten Strauß populärer Filme und Evergreens an. Ihre Aufgabe ist es, die vorgestellten Filme zu bewerten. Sie vergeben per Mausklick Sterne und Netflix nimmt das als Ausgangspunkt, um die Empfehlungen zu verbessern.

Netflix ist da auch sehr offensiv. Sie werden immer wieder aufgefordert, Filme zu bewerten. Das ist durchaus vernünftig, denn je mehr Netflix über Sie weiß, um so besser werden die Vorschläge.

Deshalb sollten Sie auch für jeden Netflixer ein eigenes Nutzerkonto anlegen. Ein Nutzer, der "The Walking Dead", "17 Again" und "Barbie in the Dreamhouse" schaut, überfordert den Algorithmus. Da sind dann keine brauchbaren Empfehlungen mehr zu erwarten.

Wenn Sie einige Filme bewertet haben, können Sie diese Komfortfunktion bereits nutzen.

 

Wo kann ich Netflix sehen?

  1. Direkt am PC im Browser. Netflix braucht dazu die Silverlight Engine von Microsoft, die aber in den meisten Fällen bereits installiert ist. Sollte der Browser fragen, ob er  Silverlight starten soll, sagen Sie ja.
  2. Über eine App am Fernseher. Alles weitere finden Sie in unserer Anleitung: "Netflix auf Smart TVs von Panasonic, Samsung, Sony nutzen".
  3. Über die Netflix-App auf ihrem Smartphone oder Tablet. Hier gilt die übliche Prozedur: Herunterladen, installieren, anmelden, Film sehen. Momentan scheint die App aber noch etwas hakelig zu sein. Außerdem läuft sie nicht auf allen Endgeräten. Mein Samsung Galaxy Tab 10.1 wird nicht unterstützt. Das Huawei Ascend G 615 (U9508) dagegen schon. Wichtig zu wissen: Google unterbindet den Download und verlangt sehr aggressiv nach Ihrer Kontoverbindung. Das ist vollkommen unnötig. Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich den kleinen hellgrauen "Überspringen"-Button links unten gefunden habe. Sie schließen einen Vertrag mit Netflix; Google gehen Ihre Kontodaten nichts an.
  4. Über einen Android-Strick, wie Google Chromecast oder den HDMI-Smart-TV-Dongle von Gembird. Diese Sticks bringen Netflix über die HDMI-Buchse des Fernsehers auf den Bildschirm.
  5. Via PS3 auf einem Beamer.

Wir haben das Netflix-Angebot auf diesen Geräten getestet:

Bei allen Varianten mussten wir vorher die Netflix-App installieren, beim Samsung Fernsehgerät aus den Samsung-Apps, bei den anderen aus dem Google Playstore beziehungsweise aus dem Sony-PSN. Einrichtung und Betrieb funktionierten in jeder Konstellation nach der einmaligen Registrierung bei Netflix problemlos. Der Internet-Zugang erfolgt per Kabelanschluss (32 MBit) von Kabel Deutschland beziehungsweise VDSL 50.

Streaming-Qualität

Top, da kann man nicht meckern. Ich habe VDSL 50. Netflix reizt diese Leitung bei weitem nicht aus. Ein HD-Stream beansprucht zwischen 5 Mbit/s und 9 MBit/s. Netflix mit DSL 6000, das dürfte knapp werden, aber ab DSL 16.000 streamt Netflix auch in HD ruckelfrei. Nur selten hatten wir in der ersten Woche einen Hinweis auf der Mattscheibe, dass eine gewünschte Sendung derzeit nicht zu beziehen sei. Im zweiten Versuch hat es dann aber immer geklappt.

In den ersten 10 bis 30 Sekunden ist der Netflix-Stream nicht besonders ansehnlich. Das darf Sie nicht irritieren. Die Streaming-Engine groovt sich sehr schnell ein und dann sieht Neflix auch auf einem 55 Zoll Plasma-TV wirklich gut aus.

Netflix über Beamer auf der großen Leinwand

Wir haben noch eine weitere kleine Testrunde eingelegt mit "Netflix-Streaming über den Beamer": Auch auf der großen Leinwand, zugespielt von der PS3 auf einen Optoma HD-131X, ließ das Bild kaum etwas zu wünschen übrig. Die in 4K gedrehte Eigenproduktion "From Dusk till Dawn", die für die Übertragung heruntergerechnet werden muß, erreichte bei Nahaufnahmen fast Bluray-Qualität. Aber auch "Definance" oder "I am Legend" überzeugten und wirkten wie gut auf 1080p hochskalierte DVD-Qualität. Und das an dem Abend, an dem weltweit Millionen Apple-Nutzer das neue iOS 8 (immerhin 5,7 GB) heruntergeladen haben. Dies zeigt, wie robust die Netflix-Architektur ist. Wenn Netflix einen Film in 1080p streamt, dann sieht dieser Stream auch wirklich nach HD aus. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut Netflix die Daten komprimiert. 

Zwischenfazit

Formal und technisch alles ok. Die Bildqualität ist gut, die Benutzeroberfläche verständlich und es ist klar, was man für sein Geld bekommt.

Das Netflix-Filmangebot

Netflix bietet keine Trennung zwischen den Bereichen Filme und Serien, sondern gliedert die Inhalte thematisch. Die Aufteilung des Angebotes in Kategorien und die Darstellung mit großen Cover-Bildern ist übersichtlich und macht das Stöbern leicht. Dabei nutzen die Anbieter auch die Möglichkeit, vorhandene Spielfilme oder Serien in unterschiedlichen Kategorien doppelt zu präsentieren. Auf Bezahlinhalte verzichtet Netflix bei unserem Probe-Account komplett, es gibt nur die im Paket enthaltenen Beiträge zur Auswahl.

Die Kategorien reichen von der Übersicht über bereits begonnene Sendungen über eine persönliche Lieblingsliste bis hin zu einzelnen Genres, etwa Thriller oder Dokumentationen. Besonders schön finde ich die Kategorie "Furchteinflößende Filme" ...

In der Presse wurde kolportiert, Netflix würde zum Start nur die "Sendung mit der Maus" und einige gut abgehangene Serien und Filme haben. Das ist definitiv nicht der Fall.

Als Programm-Highlights bei  den Serien präsentiert Netflix zum Deutschlandstart beispielsweise die selbst produzierten Serien "From dusk till dawn" (Vampire), "Orange is the new black" (Knastmilieu) oder "House of cards" (Politik). Auch moderne Klassiker wie "Breaking Bad" oder "The Big Bang Theory", auch mal ein Geheimtipp wie alle fünf Staffeln von "Chuck", deutsche Reihen wie "Ladykracher", "Pastewka" und "Mord mit Aussicht" sowie die Sci-Fi-Serien "Defiance" und "Taken" finden sich im breit gestreuten Angebot.

Es gibt allerdings weder Navy CIS noch die ganzen CSI-Ableger, und auch Monk oder Crossing Jordan sucht man vergeblich.

Was Seriengucker freut: Netflix spielt automatisch die nächsten Serienfolge nach einer kurzen Wartezeit ab. Hat man also beispielsweise Folge 3 der zweiten Staffel einer Serie angesehen, folgt ohne weiteres Zutun Folge 4.

Das Spielfilm-Angebot fällt zum Start ziemlich enttäuschend aus. Neuere Produktionen sind überhaupt nicht dabei, rund drei Jahre alt sind die aktuellsten Filme. Auch Umfang und Qualität der Filme im Paket überzeugen nicht. Der erste und der zweite "Fluch der Karibik" stehen zum Streamen bereit, die Flüche drei und vier sucht man aber vergeblich. Auch beim Terminator ist nichts mit "I´ll be back". Arnie ist genau einmal am Start.Dafür ist Till Schweiger ist mit "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken" an Bord. Echte Neuheiten sind also nicht darunter, aber auch hier ist die Angebotspalette für knapp 8 Euro monatlich ausreichend.

Netflix macht das sowieso ganz raffiniert. Immer, wenn man einen Film auf die Watchlist setzt oder bewertet stellt einem der Algorithmus einige neue Filme vor. Damit wird man immer tiefer ins Netflix-Universum hineingezogen. "Schau mal, wie haben das hier und dieses hier.." Die Aufteilung des Angebotes in Kategorien und die Darstellung mit großen Cover-Bildern ist übersichtlich und verleitet zum Stöbern.

Die allermeisten Inhalte kann der Zuschauer in der deutschen Synchronisation oder im Original sehen. Der Ton ist zumeist in Stereo sowie in 5.1-Dolby zu hören. Zusätzlich bietet Netflix die Option, Untertitel einzublenden. Die Wahl kann auch dann noch erfolgen, wenn Filme oder Serien bereits angesehen werden. Insgesamt ist die Gestaltung der Optionen sehr gelungen.

Interessant ist eine starke Sektion für Kinder, hier findet man etwa das "Sandmännchen", "Käpt´n Blaubär" oder die schönsten Geschichten aus der "Sendung mit der Maus" sowie die "Shrek"-Filme. Hier positioniert sich Netflix als Angebot für die ganze Familie. Auch für den Jugendschutz ist wie bei der Konkurrenz selbstverständlich gesorgt, Filme und Serien mit FSK-Sperren lassen sich zu den vorgeschriebenen Uhrzeiten (z.B. FSK 16 vor 22 Uhr) nicht ohne PIN-Eingabe ansehen.

So arbeite ich mit Netflix

Netflix läuft auf dem PC, Smartphones und Tablets und natürlich auf dem Fernseher. Die Smartphone-App läuft bei mir stabil und mit guter Usability. Trotzdem: Auf einem Smartphone-Bildschirm ist der Platz begrenzt. Ich stelle mir deshalb meine Playlisten lieber auf dem PC zusammen. Das geht schneller.

Was sonst noch wichtig ist

Netflix kennt die Nutzerprofile Erwachsene und Kids. Die Kindersicherung sorgt dafür, dass ein Vorschulkind nicht an “300” herankommt. Netflix setzt die klassische FSK-Einteilung um (kleine Kinder, Kinder bis 12 Jahre, Teenager, Erwachsene). Auch Serienfans profitieren von diesem Feature. A und B sehen die gleiche Serie. A ist schon bei der ersten Folge der zweiten Staffel angekommen, während B noch die letzte Folge der ersten Staffel anschaut. Wenn beide getrennte Nutzerkonten haben, können sie unabhängig dort weiterschauen, wo sie aufgehört haben. Das ist sehr praktisch.

Wer will kann sich mit seinen Facebook-Freunden verbinden. Netflix ergänzt die Filmlisten dann um die Empfehlungen der Freunde.

Die Suche gefällt mir ausgesprochen gut. Netflix liefert Vorschläge ab dem ersten Buchstaben. Wenn sie ein "A" eintippen, erscheinen alle Filme und Schauspieler, die ein "A" im Titel beziehungsweise im Namen tragen. Wenn Sie ein "af" eingeben fliegt "Arnold Schwarzenegger" von der Liste, aber "Walid Afkir" kann sich halten. Bei "aff" verschwindet auch er und es bleiben die ganzen Affen- und Affären-Filme übrig.

Grundsätzlich gibt Netflix nie eine leere Suche zurück. Ich habe nach "Jurassic Park" gesucht. Diese Dinos hat Netflix leider nicht im Angebot. Aber statt zu sagen: "Dinos sind aus" bemüht sich Netflix um Ersatz und schlägt andere Filme vor. Da Netflix mich kaum kennt, sind diese Vorschläge etwas ungelenk - das Programm spannt den Bogen von  "Sharknado" bis "Fluch der Karibik" - aber trotzdem, ich bekomme lieber eine 20 Titel umfassende Liste, als ein dürres "Der von Ihnen gesuchte Film ist nicht im Programm".

Das kann Netflix noch besser machen

Bei der Nutzerführung, die uns ansonsten gut gefällt, vermissen wir eine Kategorie “Neu im Programm”. Man bekommt leider keinen guten Überblick, in welchem Maße das Angebot wächst und was vielleicht auf die eigene Wunschliste gehören könnte. Aber das kommt ja vielleicht noch.

Wer häufig unterwegs ist und gerne auch ohne Netz unterhalten werden will, vermisst einen Offline-Modus: Man kann nicht vorab Serienfolgen oder Spielfilme herunterladen und später offline ansehen. Ein deutliches Manko gegenüber Konkurrenten wie Maxdome.

Fazit

Technisch ist Netflix auf der Höhe der Zeit. Die Bildqualität der Streams ist gut. Wo immer möglich, streamt Netflix Filme und Serien in HD. Die Benutzerführung ist ebenfalls sehr gut. Aber inhaltlich überzeugt uns Netflix in der deutschen Version nicht völlig. Vor allem das auf Spielfilmseite dürftige Angebot sowie die fehlende Offline-Funktion sind enttäuschend. Serienfans kommen allerdings gründlich auf ihre Kosten und erhalten viel Videofutter fürs Geld. Wir werden Netflix weiter beobachten und verfolgen, ob der Anbieter seine Versprechen wahr macht, das Angebot in rund einem Jahr etwa zu verdoppeln. Der Kampf um den deutschen Markt ist sicher noch nicht entschieden.

Wer bereits bei Maxdome oder Amazon Prime ein Abo hat, muss nicht zu Netflix wechseln. Für alle anderen ist Netflix aber eine gute Alternative für den Einstieg ins Video-Streaming.

Netflix setzt auf ein Abo-Modell. Für die unten genannten Preise haben Sie unbegrenzten Zugang zu Filmen und Serien auf so vielen Geräten, wie Sie möchten.

7,99 €/Monat: Netflix auf jeweils 1 Gerät gleichzeitig mit Standardauflösung schauen.
8,99 €/Monat: Netflix auf 2 Geräten gleichzeitig schauen. HD-Bildqualität verfügbar.
11,99 €/Monat: Netflix auf 4 Geräten gleichzeitig schauen. Ultra-HD-Bildqualität verfügbar.

Das Abo kann jeweils zum Monatsende gekündigt werden.


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