Mediathekview - alle Mediatheken im Griff

von Albert Warnecke in So geht´s, veröffentlicht am 06.11.2014

Wir finanzieren mit unseren GEZ-Gebühren mehr als nur Fußball und Extrem-Jodeln mit Carmen Nebel. Diese Perlen werden zwar leider meist zu nachtschlafener Zeit ausgestrahlt, stehen dann dann aber in den Mediatheken zum Download bereit. Mit Mediathekview fischen Sie die Highlights aus den Untiefen der öffentlich-rechtlichen Mediatheken.

UPDATE:

Im ursprünglichen Artikel vom März 2014 hatten wir MediathekView 4 besprochen. Aktuell ist inzwischen die Version 8. In einem Update am Ende des Textes berichten wir darüber, was sich in der Zwischenzeit getan hat.

Das Programm Mediathekview bündelt alle öffentlich-rechtlichen Mediatheken unter einer Benutzeroberfläche. Das hat folgende Vorteile:
Sie müssen nicht wissen, auf welchem Sender ein Film lief.
Sie müssen nicht jede Mediathek einzeln ansteuern.
Die ZDFneo Mediathek sieht anders aus als die WDR Mediathek. Sie müssen sich nicht in die jeweiligen Bedienkonzepte einarbeiten.

Grundsätzlich kann Mediathekview drei Dinge

  1. Mediathek klassisch: Sie wählen einen Film aus, Mediathekview speichert ihn als Datei auf Ihren Rechner und Sie können den Film auf jedem Gerät ansehen, das MP4-Filme abspielen kann (Voraussetzung dafür ist ein Netzwerk).
  2. Mediathek live: Sie wählen einen Film aus. Der auf Ihrem Rechner für das Dateiformat MP4 zuständige Mediaplayer übernimmt und spielt den Film unverzüglich ab.
  3. Über Mediathekview stehen Ihnen auch die Livestreams der Sender ARD (Das Erste), ZDF, ZDF.neo, ZDF.info, ZDF.kultur , WDR, RBB, NDR, und Kika zur Verfügung. Dabei wird der Livestream des Ersten in den drei Bandbreiten small (480 x 272, 25 fps), medium (512 x 288, 25 fps) und big (960 x 544, 25 fps) geliefert. Auch hier reicht Mediathekview die Streaming-Infos an den Mediaplayer weiter, der das Abspielen übernimmt.

Was kann Mediathekview?

Nach dem Start lädt das Programm die aktuelle Filmliste und stellt diese dann sehr nüchtern in einer Art Excel-Tabelle dar. Diese lässt sich dann nach den gewünschten Kriterien filtern und sortieren. Hier einige Beispiele, wie man mit Mediathekview suchen kann:

  1. Gib mir alle Sendungen in HD, die auf Arte liefen, Dokumentationen sind und sortiere diese nach Datum (neueste zuerst)
  2. Zeige mir nur Filme an, die mindestens 30 Minuten lang sind
  3. Blende alle Filme aus, die ich schon gesehen habe
  4. Zeig mir nur die Livestreams an
  5. Eine Freitextsuche nach einem beliebigen Titel funktioniert auch
  6. Alle Excel-Spalten sind sortierbar.Die Ergebnisse lassen sich mit einem Mausklick nach Sender, Thema, Titel, Datum, Länge, Dauer oder Größe sortieren. Gerade das Sortieren nach Größe ist sehr praktisch, da man so gleich sieht: "Ist das der Spielfilm oder nur ein Trailer?" Ein neunzigminütiger Spielfilm hat mehr als 6 MB. Ein weiterer Mausklick dreht die Sortierreihenfolge um.

Serien lassen sich zudem "abonnieren". Filme, die in das Abo passen (Filme bei denen "Sender", "Thema" und eventuell  auch der "Titel" gleich des Abos sind), werden automatisch in die Download-Liste eingefügt. Damit wird Mediathekview zum Videorekorder, wenn der Computer eingeschaltet ist.

Was ist drin?

Mediathekview kann nur weiterreichen, was die Sender selbst ins Netz stellen. Die Sender sind dabei an die jeweilige Lizenzvereinbarung gebunden. Spielfilme und Hollywood-Blockbuster findet man eher selten in den Mediatheken, während Eigenproduktionen, vom Tatort über Ratgeber bis zu Dokus, zwischen sieben Tagen und "für immer" in den Mediatheken vorgehalten werden (das regelt der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag). Unser Tipp: Vergessen Sie den Gesetzestext, werfen Sie lieber Mediathekview alle fünf oder zehn Tage an, begrenzen Sie den Zeitraum entsprechend und schauen Sie, was es alles Neues gibt.

Was die Sender-Auswahl angeht, so ist das Programm manchmal etwas eigenwillig: Die Spartensender Sender von ZDF (ZDF.neo, ZDF.kultur, ZDF.info) und ARD (Einsfestival) werden nicht als Sender, sondern in der Spalte "Thema" geführt. Grundsätzlich stehen die Mediatheken der folgenden Sender zur Verfügung: 3Sat, ARD (Das Erste), Arte, BR, HR, Kika, MDR, NDR, ORF, RBB, SRF, SWR, WDR, ZDF und ZDF-tivi.

Zusätzlich bietet das Programm noch zwei Podcast-Kanäle an, den SRF- und den ARD-Podcast. Podcast bedeutet in diesem Fall: Kurzer Beitrag, der speziell dafür ausgelegt ist, heruntergeladen zu werden und auf einem mobilen Gerät angeschaut zu werden.

Zum Glück erlaubt der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag das "zeitlich unbegrenzte Zurverfügungstellen von Beiträgen von kulturhistorischem Wert". Das bedeutet: Der WDR darf seine riesige Sammlung der Rockpalast-Aufzeichnungen in die Mediathek packen und das tun die Kölner auch ausgiebig. Einfach als Thema "Rockpalast" auswählen und Mediathekview listet haufenweise Rockpalast-Konzerte der Jahre 2005 bis 2014 auf. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Mediathek in HD

Hat man einen Film ausgewählt, dann fragt das Programm, in welcher Qualität geliefert werden soll. Dabei werden sämtliche Qualitätsstufen angeboten, in der der jeweilige Film vorliegt. Gerade Arte macht sich hier sehr verdient. Bei Arte bedeutet HD: 1.280 x 720 Pixel bei 25 Bildern pro Sekunde, die Bitrate liegt zwischen 2,5 und 3,5 Mbit/s. Nicht mit einer DVD oder gar Blu-ray zu vergleichen, aber trotzdem auch auf einem 55-Zoll-TV noch gut aussehend. Die Dateigrößen liegen je nach Filmlänge bei 900 MB bis 1,6 GB. Eine schnelle Internet-Verbindung ist ein Muss, wenn Sie Filme in HD direkt streamen möchten. Auch wenn Sie zeitversetzt schauen möchten, ist ein schneller Datei-Download vorteilhaft.

Neben Arte bieten auch der BR, der SRF, der SWR und das ZDF Filme in HD an. Das ZDF hat meist nur Terra X im Angbot, SRF und SWF bieten Dokus und etwas Sport. Der BR  hat - löblich, löblich - das breiteste HD-Angebot, dürfte aber mit Perlen wie "Wehe wenn wir losgelassen - Fränkischer Narrennachwuchs in Veitshöchheim" nicht so die Download-Granaten im Angebot haben.

Fazit

Einen Schönheitspreis wird dieses Programm nie gewinnen, aber das stört nicht, denn seinen Job erledigt Mediathekview ausgesprochen zuverlässig. Mir sind funktionierende Filter und ein schneller Download wichtiger als liebevoll hingetupfte Icons. Dank Mediathekview habe ich das gesamte Angebot der Öffentlich-Rechtlichen gebündelt vorliegen und kann mir meine Wunschfilme schnell auf die Festplatte oder NAS laden.

Update November 2014 zur aktualisierten Version Mediathekview 8

Die gute Nachricht: MediathekView ist nach wie vor ein gutes und nützliches Programm. Oft genug wird Software ja auch mit jedem Release verschlimmbessert - das ist bei MediathekView nicht der Fall. Doch nun zu den Details.

Neu: Sender-Icons

Das Erste, was sofort nach dem Entpacken auffällt: Es gibt jetzt Sender-Icons. Natürlich nur ein Nebenkriegsschauplatz, sieht aber trotzdem ganz nett aus.

Ebenfalls neu ist das Bandbreiten-Fenster. Wenn man im Menü “Ansicht” die Option “Bandbreite” anklickt, öffnet sich ein kleines Fenster, eine Art Beiboot zum großen Mediathek-Fenster. Der Bandbreiten-Monitor lässt sich überall hin verschieben und ist so klein, dass man eigentlich immer ein Plätzchen findet. Ich finde dieses Fenster sehr praktisch, denn so habe ich die Downloads im Blick und kann trotzdem weiter arbeiten, während MediathekView die Filme im Hintergrund lädt.

Während MediathekView früher einen Download lautlos beendete, piepst das Programm nun, wenn alle Daten sicher auf der Festplatte gelandet sind.

Intensivnutzer freuen sich über die Filterprofile. Hier lassen sich bis zu drei Filter dauerhaft speichern. Ein Klick, schon zeigt MediathekView nur noch die HD-Dokus auf Arte an oder listet lediglich Spielfilme auf. So findet man schnell alle Neuigkeiten. Apropos Neuigkeiten: Wer regelmäßig eine bestimmte Sendung sehen will, legt sich ein Abo zu. Auch hier hat Xaver, der MediathekView-Programmierer, einige kleine, aber nützliche Verbesserungen eingebaut. So können Sie jetzt ein Abo direkt im Reiter "Abo" über das Menü anlegen.

Ebenfalls verbessert wurde der generelle Ablauf der Downloads (Abo und normale Einmal-Downloads). MediathekView merkt sich bereits verwendete Pfade und Sie können jetzt auch Unterpfade eingeben. Alles nichts Großes, aber kleine, sinnvolle Verbesserungen bei der Benutzung.

Wer viele Filme herunterlädt, schätzt die Option “Filmbeschreibung anlegen”. Dann speichert MediathekView zusätzlich eine Text-Datei mit allen wichtigen Infos zum Film. Wenn der Film "Der_Fluch_des_Edgar_Hoover.mp4" heißt, dann benennt MediathekView die Info-Datei "Der_Fluch_des_Edgar_Hoover.txt".

In der neuen Version kann man Downloads abbrechen und später wieder fortsetzen.

Dazu gekommen ist der Komfortpunkt “Rechner herunterfahren, nachdem alle Downloads auf der Platte sind”. Das bedeutet: Sie können nach dem Start des Massendownloads weggehen, MediathekView macht später selbstständig das Licht aus.

Wenn das Internet mal zickt ist die Option "aktuelle History" sehr wertvoll, sie zeigt alle in der aktuellen Sitzung gestarteten Filme an. Unvollständige Downloads können Sie dann noch einmal starten.

Sie nutzen die Mediathek im Ausland? Dann markiert MediathekView geblockte Filme automatisch, wenn die Sie Option "Geoblocking" aktivieren.

Fazit

MediathekView ist auch in der achten Inkarnation ein hervorragendes Programm. Optisch leicht aufgehübscht und intelligent weiterentwickelt steht einer Empfehlung der Redaktion nichts im Wege.

Mediathekview: Bezugsquellen und Systemvoraussetzungen

Mediathekview ist Freeware, liegt mittlerweile in der vierten Version vor und ist in Java geschrieben. Das bedeutet: Das Programm ist plattformunabhängig und läuft sowohl auf Windows-Rechnern (XP, Vista, 7, 8), auf Macs (MacOS X ab 10.7.3.) und Linux (erfolgreich getestet mit Ubuntu). Einzige Vorrausetzung: Sie müssen Java installiert haben (Java-VM ab 1.7). Meist ist Java aber bereits als erweiterter Teil des Betriebssystems auf dem Rechner vorhanden. Sollte dem nicht so sein: Java ist ebenfalls kostenlos und kann auf der Java-Download-Site heruntergeladen werden.
Auf Mobilgeräten (Android und iOS) läuft MediathekView nicht.


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Kommentare

  1. Stephan am 05. März 2014 um 19:14 Uhr

    Hallo awa, zu dem Punkt “Sie müssen Java installiert haben” noch eine Ergänzung: Leider gehört Mediathekview zu den Programmen, die beim Start öfter mal die Meldung “Error: Could not create the Java Virtual Machine.” hervorrufen. Ich weiß bislang nicht, woran es liegt. Workaround: Statt der ‘MediathekView.exe’ direkt die ‘MediathekView.jar’ aufrufen. Ich kann dabei keinen Unterschied feststellen - außer eben, dass es funktioniert grin
    Ansonsten finde ich auch, ein klasse Programm - und die Optik finde ich angenehm simpel. Gruß Stephan

  2. Stephan am 10. April 2014 um 13:45 Uhr

    Es gibt eine neue Version, die 5. Die macht bislang keine Probleme beim normalen Aufruf über die ‘exe’. Gruß Stephan

  3. Stephan am 10. November 2014 um 16:16 Uhr

    Hi awa, diesmal warst Du schneller; die 8 hatte ich noch nicht gesehen wink

  4. werner am 20. Dezember 2015 um 10:23 Uhr

    Von Rockpalast offenbar nur noch Sendungen 2015 - keine älteren wie im Artikel angepriesen ??!!


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