Der Router als NAS - Multimedianetzwerk minimal

von Albert Warnecke in So geht´s, veröffentlicht am 28.01.2014

Wir zeigen, wie Sie ohne große Kosten Musik, Filme und Bilder allen Mitgliedern im Heimnetzwerk zugänglich machen. Sie brauchen dazu einen zentralen Speicher, auf der die Daten gespeichert sind. Dieser Daten-Silo kann eine ausgewachsene NAS sein. Für den Anfang reicht es aber, eine externe Festplatte via USB an den Router anzuschließen.

Eine sehr schöne Methode, Daten im Netzwerk für alle bereitzustellen, ist die Kombination Router plus externe Festplatte.

Der Vorteil: Preiswert und schnell umzusetzen.

Der Nachteil: Zwar gibt es bereits externe Festplatten, die 4 Terabyte (TB) fassen, die meisten Router können aber nur 2 TB verwalten. Zwar kann man mit Tricks wie einer Linux-Dateiverwaltung versuchen, eine 4-TB-Platte ans Laufen zu bekommen, aber das lohnt den Aufwand nicht wirklich. Dazu kommt: Da die Daten der Festplatte den USB-Anschluß passieren müssen, ist die Performance der Router/Festplatten-Kombi nicht mit der einen echten NAS zu vergleichen. Aber hier soll es ja auch nicht um ein Hochleistungssystem für Datenhamster gehen, sondern um eine solide Lösung für den Hausgebrauch.

Welche Festplatte kaufen?

Wenn Sie keine externe Festplatte besitzen: 1 Terabyte-Platten sind ab 70 € im Handel zu haben.  Wenn Sie ausreichend Platz dafür haben, wählen Sie ein großes 3,5-Zoll-Modell. Diese Platten laufen schneller als 2,5-Zoll-Platten, brauchen aber eine externe Stromversorgung per Netzteil, sind recht schwer und klobig und laufen manchmal nicht ganz lautlos. Die mangelnde Laufruhe sollte aber kein Problem sein, wenn der Router nicht gerade im Wohnzimmer steht.#

Was die Stromkosten angeht, so sind diese schwer zu schätzen. Der Strombedarf schwankt je nach Modell und Last zwischen 0,5 W im Standby und 10 W bei Betrieb. Ganz grob nach oben abgeschätzt macht das 24h*365*10W*0,25 €/kWh = 21,90 Euro Stromkosten pro Jahr. Da die arme Festplatte nicht das ganze Jahr 24 Stunden täglich durchrödeln wird, dürften die realistischen Stromkosten eher zwischen 10 und 15 Euro pro Jahr liegen.

Was den Speicherplatz angeht: 1 Terabyte sind 1.000 Gigabyte - das reicht für gut 50 Full-HD-Filme oder 200.000 Minuten Musik.

Amazon* bietet eine große Auswahl geeigneter USB-Festplatten an.

So geht´s

Die Installation läuft in zwei Schritten ab.

Installation - Schritt 1

Schließen Sie die externe Festplatte via USB an den Router an. Die meisten Fritzboxen* sowie die Vodafone Easybox und die Speedport-Router der Telekom bieten diese Möglichkeit. Bei den Fritzboxen ist es egal, ob es sich um die Originale handelt oder die von 1&1 und den Kabelbetreibern angebotenen Modelle.

Der Router sorgt dafür, daß die Festplatte für alle Teilnehmer im Netzwerk sichtbar ist. Mehr als das Einstöpseln der Festplatte an den USB-Port des Routers ist dabei nicht nötig. Der Router erkennt die Festplatte und meldet sie im Netzwerk an.

Sie können das bei Fritzboxen überprüfen, indem Sie im Menü auf Heimnetz > USB-Geräte gehen. Ihre Festplatte muss im Reiter "Geräteübersicht" auftauchen.

Installation - Schritt 2

Die externe Festplatte ist jetzt im Heimnetzwerk sichtbar, aber noch ist nicht sichergestellt, dass die Nutzer auch auf das Dateisystem zugreifen können, um Daten zu speichern. Dazu müssen Sie zwei Dinge überprüfen:

  1. Verlangt der Router ein Passwort? Die Fritzboxen schützen eine externe Festplatte ab FRITZ!OS 5.5 aus Sicherheitsgründen mit einem solchen.
  2. Ist der Media-Server aktiv? Nur dann können Musik, Bilder oder Videos von einem passenden UPnP-Abspielgerät abgerufen werden. Das kann der Fernseher, ein Smartphone / Tablet oder ein AV-Receiver sein.

Wie kann ich Daten speichern?

Schritt 1: Klären Sie, ob, der NAS-Speicher aktiv ist. Rufen Sie dazu im Menü Heimnetz > Speicher (NAS) auf. In den meisten Fällen dürften die entsprechenden Häkchen bereits von der Fritzbox gesetzt worden sein.

Schritt 2: Einen Nutzer samt Passwort anlegen. Mit dieser Nutzer/Passwortkombi greifen Sie anschließend auf die externe Festplatte zu. Rufen Sie dazu im Menü System > Fritzbox-Benutzer auf. Sie sehen den Standard-Nutzer "ftpuser". Die Fritzbox legt diesen Account automatisch an. Klicken Sie auf das "Bearbeiten"-Icon rechts, vergeben Sie auf der nächsten Seite ein Kennwort (hier im Beispiel "ftpuser") und legen Sie die gewünschten Berechtigungen fest.

Jeder Netzwerknutzer, der diese Nutzer/Passwort-Kombi kennt, hat jetzt Zugriff auf die externe Festplatte. Wichtig ist dieser Zugriff vor allem, wenn es darum geht, die Festplatte zu befüllen. Dann brauchen Sie Zugriff auf das Dateisystem der Festplatte. Wenn es vor allem darum geht, allen im Netz die Daten bereit zu stellen, ist der Media-Server die bessere Lösung.

Warum?

Der Media-Server setzt sich zwischen den Nutzer und das Datei-System der Festplatte. Der große Vorteil: Da kein Nutzer direkt auf das Datei-System zugreift, müssen Sie sich auch nicht mit Nutzer-Freigaben und Zugriffsrechten herumschlagen. Musik, Videos und Bilder sind "einfach da". Wenn nicht jeder Daten auf der Festplatte speichern kann, hält sich auch der Wildwuchs (unsystematisches Dateisystem und Doubletten) in Grenzen.

Wie aktiviere ich den Media-Server?

Wenn Sie eine Fritzbox ihr Eigen nennen, begeben Sie sich im Menü auf die Seite "Mediaserver" (Heimnetz >Mediaserver). Im Reiter "Einstellungen" klicken Sie auf "Mediasever aktiv". Vergeben Sie wenn gewünscht einen Namen und wählen Sie anschließend die Medienquellen im Heimnetz aus.

Energiesparen

Schalten Sie die Energiesparfunktion an, damit die USB-Platte sich schlafen legt, wenn sie nicht gebraucht wird. Rufen Sie dazu im Menü Heimnetzwerk > USB-Geräte auf und markieren Sie im Reiter "USB-Einstellungen" die Checkbox "Energiesparfunktion aktiv".

Warum nicht die externe Festplatte einfach an den Fernseher oder einen PC anschließen?

Wenn Sie die externe Festplatte an das TV-Gerät anschließen, dann ist sie ein Teil des Fernsehers geworden und nur dieser hat Zugriff auf die Daten der Festplatte.

Wenn Sie die Festplatte an einen PC anschließen, muss der PC immer eingeschaltet sein, sonst ist die Festplatte nicht erreichbar. Außerdem müssen Sie die Festplatte erst für andere Nutzer im Netzwerk freigeben. Theoretisch kein Problem, aber in der Praxis klappt das - zumindest unter Windows - selten reibungslos.

Fazit

Router plus externe Festplatte ist ein preiswerter und leicht zu realisierender Einstieg in das Thema Multimedianetzwerk. Wenn Sie später feststellen: "Das reicht nicht mehr" ist Ihre Investition nicht verloren. Die Festplatte kann weiter am Netz bleiben und beispielsweise als Backup dienen.


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